Geschichte der Paulskirche

 
Diese zur Verehrung Gottes errichtete Stätte hat eine lange Vergangenheit, worüber aber urkundlich kaum etwas aufgezeichnet ist.

Nur die Steine reden, sowohl diese, die man heute noch im Turm eingemauert sieht, als auch jene, auf die man beim Graben der neuen Fundamente gestoßen ist.
Der älteste Teil der jetzigen Anlage, der Turm, stammt nach Aussage der spätgotischen Formen seines verwitterten Portals aus der 2 Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Die damalige Kirche war ost-westlich orientiert, die ausgezeichnet gemauerten Fundamente ihres Langhauses gaben - dort wo sie der Neuplanung im Wege standen - bei ihrem Abbruch den freiwilligen Mitarbeitern aus der Gemeinde ordentlich was zu schaffen.

Das Bruchstück eines Seitenportalbogens, das jetzt in die Langhauswand eingemauert ist, trägt die Jahreszahl 1531.

Wir vermuten, dass diese Kirche den Zerstörungen der orleanischen Kriege zum Opfer gefallen und bis auf den Turm zerstört worden ist.

An ihre Stelle trat 1806 ein spätbarocker Neubau, wohl an den Turmstumpf angebaut, doch auf die neu aufgebaute Dorfstraße nord-südlich ausgerichtet.

Dieser Bau hat über 100 Jahre für die gottesdienstlichen Bedürfnisse der langsam wachsenden Gemeinde ausgereicht.
 
 
Das Bild ist datiert um 1939 und
so könnte es auch im 19. Jh. ausgesehen haben.
Am 22. März 1812 fand die Einweihung der Pauluskirche statt.
 

Als die zunehmende Industrialisierung der Städte die Menschen als Arbeiter in ihre Nähe zog, siedelten auch in Eppelheim — im Weichbild von Heidelberg und Mannheim — immer mehr Bauhandwerker an und an die Stelle der Bauern traten die Maurer.

Der 2. Weltkrieg hat Eppelheim verschont, so wuchs die Bevölkerungszahl des Ortes nach seiner Beendigung so rasch, dass die räumlichen Verhältnisse der Kirche immer unzureichender wurden.

Aber auch der niedrige Turm konnte seine Aufgabe als Glockenträger und Zeitverkünder inmitten der größer gewordenen Häuser kaum noch erfüllen.

Bald nachdem die Pfarrstelle einen neuen Pfarrherrn erhielt, wurde der Gedanke der Neuanschaffung der durch den Krieg verlorenen Glocken lebendig und mit ihm die Einsicht, dass der alte Turm für ihre Unterbringung völlig ungeeignet ist.

Daraus entstand der architektonische Plan, ihn zu erhöhen und mit einer neuzeitlichen Stahlbetonlaterne zu versehen, deren hochragende, durchsichtige Konstruktion nicht nur für 4 Glocken Platz bieten konnte, sondern auch die weitsichtbare Anbringung großer Ziffernblätter einer neuen Turmuhr ermöglichte.

Am 5. Dezember 1948 wurden die neuen Glocken im erhöhten Turm von Herrn Landesbischof D. Bender feierlich geweiht.

Mit der Behebung der Raumnot der Glocken war aber die Raumnot der Gemeinde keineswegs behoben und 1949 setzte die Planung zur Erweiterung der Kirche und Anbau eines Konfirmandensaales ein.

Die Verwirklichung musste aus finanziellen Gründen drei Jahre auf sich warten lassen und erst nach Aufstockung des unter noch drückenderer Enge leidenden Kindergartens konnte der Plan der Kirchenerweiterung in die Wirklichkeit umgesetzt werden.

Die große Opferbereitschaft der Gemeindemitglieder zu seiner Durchführung weckte auch die Hilfsbereitschaft des Evangelischen Oberkirchenrates, und man begann am 2. August 1952 mit dem Abbruch der nördlichen polygonalen Abschlusswand der Kirche, um auf neuen Fundamenten einen neuen Choranbau zu errichten, über den am 6. September der Richtspruch des Zimmermanns erscholl.

Anschließend wurde der Gemeindesaalanbau begonnen, der dann am 17. Oktober das dritte Richtfest des Bauvorhabens erlebte.

Nun passte in den erweiterten Kirchenraum die alte, zweimal angeflickte Empore mit ihren acht dicken, sichthindernden Säulen gar nicht mehr hinein. Sie musste im Spätsommer 1953 einer auf zwei dünnen Stahlrohrstützen ruhenden Trägerkonstruktion weichen.

Dass man die altersschwach gewordene Orgel nicht auf die neue Empore wieder aufsetzen konnte, war bald allen Gemeindemitgliedern klar, so wurde ihre Erneuerung nach Erneuerung des gesamten Innenbaues der Schlussstein in dem groß angelegten Bogen der Erneuerungsarbeiten.

Bilder vom Umbau 1952